Kellerfest des MGV war die wohl heißeste Party des Jahres

vom 5. September 2012

„Königsteiner Woche“ vom 23. August 2012

Falkenstein (hhf) – In Königstein geht man zum Feiern auf der Burg in die Keller, in Falkenstein dagegen in den Keller auf der Burg, ein kleiner Unterschied nur, aber durchaus wichtig, um im lokalen Miteinander nicht durcheinander zu geraten. Schon gar nicht, wenn zwischen den Festivitäten in altem Gemäuer gerade einmal eine Woche liegt – letztendlich wäre es bei den aktuellen Temperaturen doch ernsthaft ärgerlich, die falschen Zinnen zu erstürmen und im Burghof statt kühlem Bier nur finsteres Mittelalter vorzufinden. Also, gewissermaßen als Sicherheitskonzept noch einmal: Ab morgen wird auf der Burg Königstein gefeiert, am letzten Wochenende hatte man sich unter dem Bergfried in Falkenstein getroffen.

Was den Sportvereinen der Region ihr Feldbergfest, ist den Falkensteiner Sängern schon seit vielen Jahren das „Kellerfest“, wenn eben auch im höchst gelegenen Gewölbe des Ortes. Bevor sich dort jedoch für zwei Tage Gesang mit Wein, Weib und Tombola vermischen kann, müssen die Veranstalter vom MGV erst einmal den Keller mit einem Dach und im Umfeld mit einigen Zelten versehen, außerdem „vom Kaffeelöffel bis zur Bierzeltgarnitur“ alles, was der Gast begehrt, hinaufbugsieren. Offenbar wurden die fleißigen Sänger beim Aufbau diesmal nicht nur von helfenden Händen begleitet, sondern auch von Zaungästen mit weniger edlem Charakter und offensichtlich reichlich Matsch in der Birne:“Da haben so ein paar Idioten in der Nacht die Toiletten umgeworfen“ grummelt Markus Schleicher und lässt den Schmalgeistern einen „schönen Gruß vom Vorsitzenden“ ausrichten. Die von den ausgelaufenen Flüssigkeiten in Mitleidenschaft gezogene Mutter Natur fällte ein deutlich härteres Urteil und erinnert in diesem Zusammenhang an die Prinzipien der Evolution, die ein Aussterben der untauglichen Lebewesen vorschreiben …

Nach dem unglücklichen Vorspiel galt schließlich ab Samstag Nachmittag wieder „Wo man singt, da lass‘ dich ruhig nieder“, denn unter den Fittichen des MGV verläuft das Fest traditionsgemäß harmonisch. Sogar Nicht-Falkensteiner werden in den Tagen des stimmgewaltigen Burgfriedens im selbstbewussten Ortsteil nicht nur geduldet, sondern herzlich begrüßt und neuerdings auch ins Programm eingebaut. So oblag die musikalische Umrahmung der Zeiten, in denen die Sänger ihre Kehlen mit flüssigen Schmierstoffen pflegten, dem ebenso bekannten wie beliebten Heinz „Molli“ Eichhorn, der es im Duett mit seiner Heimorgel ohnehin versteht, für Stimmung zu sorgen. Bei dem erhöhten Quotienten aktiver Sängerinnen und Sänger im Publikum rannte er natürlich an beiden Abenden geradezu offene Türen ein …

Bezüglich offener Türen sei an dieser Stelle angemerkt, dass diese zum Kellerfest ohne Security und Eintrittskarten generell offen stehen, die Kosten bestreiten die Sänger mit viel Eigeneinsatz und aus den Einnahmen durch Getränke, Grillwaren plus gespendetes Kuchenbuffet. Nicht unwesentlich für die Kassenführung ist auch der Losverkauf für die Tombola, die wie üblich von etlichen Firmen und Privatpersonen wieder reich bestückt worden war. Zum Beispiel mit Eintracht-Profi Sebastian Jung haben sich hier auch wieder etliche Außerfalkensteinische Gönner engagiert. War es sein signiertes Trikot oder die vom Verein dazugelegte Kuscheldecke? Jedenfalls sollte sich der Fußball auf den Sonntagnachmittag zunächst negativ auswirken. Da kämpfte nämlich nicht nur die Eintracht um einen Pokal, sondern auch die heimische Jugend, der „Bolzer-Cup“ konkurrierte im Tal vor der Burg mit dem Sängerfest.

Die älteren Kämpen hatten allerdings den Weg zum Frühschoppen gefunden, der um 11 Uhr auch noch bei erträglichen Temperaturen zu bewältigen war, außerdem kam wieder ein „Burgtaxi“ zum Einsatz. Bislang hatte stets das Haus Raphael seinen Kleinbus nebst Fahrer zur Verfügung gestellt, doch waren beide in diesem Jahr bereits anderweitig im Einsatz, so dass die Malteser aus Fischbach eingesprungen sind.

Wie man an die Hilfe aus dem Nachbarkreis kam? Nun, Lieder kennen keine Grenzen, wovon deren Sänger ab und zu auch profitieren – wer miteinander singt, redet auch dabei (mitunter zum Ärger des Dirigenten). Dass Sänger auch schießen können, stellten sie ebenfalls unter Beweis, angesichts des vorangegangenen Frühschoppens allerdings nur mit dem Luftgewehr. Damit war sichergestellt, dass das Wort „erschossen“ während der Siegerehrung als passende Umschreibung für „errungen“ für Heiterkeitsausbrüche sorgte und nicht für einen Polizeieinsatz. Allerdings dürfte Pokalsieger Lukas Ganninger trotzdem mit gewissen Sanktionen zu rechnen haben, denn er hat unter anderem auch seinen Vater auf die Plätze verwiesen …

Um solche Sünden zu vermeiden („Du sollst Vater und Mutter ehren“, Anm. d. Red.) und auch Papa Erklärungen zu ersparen wie „ich wollte den Pokal gar nicht, den muss Mama ja sonst immer abstauben“ findet parallel zum Schießen eigentlich immer ein liebevoll ausgedachtes Kinderprogramm statt, doch ging diesmal der Plan nicht auf: Die Kleineren hatten sich überwiegend „hitzefrei“ genommen und die Größeren witterten mangels Spielkameraden ihre Chance, auch einmal zum Schuss zu kommen. Ebenso musste der Kuchenstand in diesem Jahr nicht gegen Wespen verteidigt werden, denen war es offensichtlich auch zu heiß. Als richtig „cool“ erwiesen sich dagegen die Gastgeber vom MGV und traten gleich in drei Formationen zum Singen an: Männerchor, Frauenchor und gemischter Chor gestalteten jeweils nicht unter 15 Personen ein abwechslungsreiches Programm vom „blauen Mond“ über galoppierende „Hü, Schimmel“ bis zur „Country Road“. Lediglich bei „Marmor, Stein und Eisen bricht“ tat sich im Publikum die Frage auf, ob dieser Text nun ein gutes Omen sei, wenn man auf einer Burgruine feiere … und noch eine Anregung aus dem Auditorium:“Die könnten doch zum Singen Eiswürfel lutschen, das gäb‘ dann einen kühlen Wind hier oben“.
Ohne Kommentar die letzte Äußerung, bewertet sei dagegen die gesamte Veranstaltung: Selten in der Geschichte Königsteins und seiner Ortsteile, dass ein Fest mit zu gutem Wetter zu kämpfen hatte. (Sonnen-)Hut ab daher vor den Falkensteinern und ihren Freunden, die außer einer vom Jugendamt vermutlich hoch angerechneten Kinderpause in der Mittagsglut nach Sonnenbrandgefahr und Abstiegsängsten im Fußball an beiden Abenden ihre Burg stürmten und den tags zuvor erlittenen Flüssigkeitsverlust in fröhlicher Runde ausglichen. Das übrigens, so erkannte Vereinschef Markus Schleicher schon ohne Abrechnung am Leergut, mit deutlich mehr Ebbelwoi als Bier.